Archiv für die Kategorie ‘Leseprobe’

Blaues Wunder

von Anneliese Mercac-Hauser

Blaue Haut Offene Wunden Am Rücken Das Wunder Hat alles gefärbt Du hast es erlebt Das blaue Wunder Im Tal Hinter den steinigen Bergen Fleckiges Leuchtet Wunderbar Ihr Glück Dass du die Röte der Scham So schön verbirgst

Die Annehmgitsche

von Gertraud Patterer

„ Bääää!“ schreit der Pöppm und liegt do in Blüet und Schlatz. Die Male isch auf der Welt. Mit die Faischte trummlt der Winter aufs Haus. Die Nocht steckt Eiszopfn in Kamin, und in Herd weards Feuer hin. Der Wind knittlt ins Fenschter und a Scheibe bricht, und a Hond henkt a Decke vür und […]

WieeinVogelschwarz (Auszug)

von Andrea Drumbl

Wenn sich die Zähne am Speichel verbeißen, musst du beginnen, aufwärts zu schlucken, Nacht, Singende du, die du dich müde legst mit einem Flüstern auf den Lippen: L i e b e r G o t t , m a c h m i c h f r o m m , d a s […]

die einatmung

von Karin Prucha

  in niemandsaugen bist du geboren aus fremden zimmern waren deine worte klänge der ferne besaß dein herz in das du keinen schauen ließest bis auf mich der ich manchmal darin stöbern durfte wenn ich das schwimmen verlerne breche ich auf zu neuen ufern neu ordne ich die morgen die gestern bleiben ein sprachenverhängnis ich […]

Was war, was ist, was sein wird (Auszug)

von Monika Grill

Lisa kennt die Zeichen. Sie liest die Spuren der unausweichlichen Metamorphose wie andere die Fährten eines Fuchses im Schnee. Der Winkel der Schultern verschiebt sich, die Backenknochen treten hervor und geben die darunterliegende Landschaft preis. Es ist nicht die Vergangenheit, die sich zeigt, sondern die Zukunft. Was sein wird, bald. Gestern Abend hat sie ihn […]

Die Schlagzeile

von Dagmar Cechak

Der Portier winkt aufgeregt aus seiner Loge. Er will Markus, bevor dieser hinauf in sein Büro fährt, mit dem neuesten Hausklatsch versorgen. Als Markus sich dem Glaskasten nähert, klingelt das Telefon und der grauhaarige Türhüter muss abheben. Markus dreht wieder um und steigt in den Lift. So wichtig wird es wohl nicht sein. Oben im […]

ich war vier

von Christine Tidl

ich war vier als ich den steinernen fischer küsste ihn mitnahm zum see wo der lindwurm schäumte kaum dass ich eintauchte ins magische blau ihn mir zur seite hielt ich den gelbglühenden augen unter dem tisch mein stoppelgewehr mutig entgegen wand mich durch langfingrige schatten die nachts nach mir griffen und floh vor dem hund […]

Schau mein Innerstes ohne Messer an

von Miriam Auer

Das Meer zu Gast auf der Straße. Siehst du? Carl-Regen Apfelbarth zeigt auf die Schlangenhaut am Asphalt. So oft überfahren, ähnelt sie eher einem Hering, seinen Resten. Regens Sohn kniet sich hin und berührt, anfänglich mechanisch, die fremde Haut, irgendwo zwischen Fisch und Schlange. Bald fragen seine Augen irgendwie traurig, sein Mund wortlos, nach Erklärungen. […]

Indigo

von Hannes Wendtlandt

Lautlos wölbt sich der Tag Unter uns. Man ruht auf tanzendem Gebälk. Die Farben sind vermessen, Und über uns Zerbirst das Licht. Ganz ohne Schatten fließt der Mond Zwischen uns. Dem Reigen bietet Wasser Planken. Am Firmament verblassen Stunden, Und auf uns Lastet Erdenschwere. Das Indigo im Abendrot fällt Neben uns. Der Horizont steht zentimetertief. […]

Alternde Weiblichkeit

von Marlies Karner-Taxer

die einstige Göttin nimmt Abschied vom kraftvollen Leben, das prall, saftig und lustvoll die Hormone steuerte morphiert zu silbergrau, dann weiß das Rot der Blutung ist schon lang versiegt das achte Lebensjahrzehnt hat seinen Preis die Muskel schwächeln, verkommen eingekochte Lebensmittel – gestrichen, das Unvermögen, den Glasverschluss aufzudrehen schmerzt die Lebenserfahrung steigt wie die Zahl […]

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