A stülla fluss

von Axel Karner

Ein stiller fluss

1

a doaf

wos sunst

da liabe gott

geaht aus und ein

sogt goa nix

es schlochtvieh

ein dorf

was sonst

der liebe gott

geht aus und ein

sagt gar nichts

das schlachtvieh

2

weit offn

de tia

de engl gfolln

drei schritt

a tropfn bluat

mittn ins heaz

weit offen

die tür

die engel gefallen

drei schritte

ein tropfen blut

mitten ins herz

3

ruafnd

de bettla

se bringend

de kinda um

kana vasteaht

wias leicht geaht es steabn

rufen

die bettler

sie bringen

die kinder um

keiner versteht

wie es leicht geht das sterben

4

von da bruckn

hänknd de kinda

nockat varreckn

spottnd de leit

lei ana sogt nix

dea se schlachtigt

von der brücke

hängen die kinder

nackt und verrecken

spotten die leute

nur einer sagt nicht

der sie schlachtet

5

vafaulnd

in de trög

und pfeifend

vom doch

wo is da henka

dea es losst lebn

verfaulen

in den trögen

und pfeifen

vom dach

wo ist der henker

der sie lässt leben

6

de hund

schlecknd es fleisch

untan fensta

schreit a sog

reißt de eadn auf

fias paradies

die hunde

schlecken das fleisch

unter dem fenster

kreischt eine säge

reißt die erde auf

fürs paradies

7

hintan haus

fliagnd wolkn hin und hea

schlognd bluatig

kopf und händ

im bam

vabrennend de toatn

hinter dem haus

fliegen wolken hin und her

schlagen blutig

kopf und hände

im baum

verbrennen die toten

8

sigst iban fluss
de kinda maschian

geaht da mond auf

is es stüll

da wind

zakrotzt es neiche leichntuach

schaut über den fluss

die kinder marschieren

geht der mond auf

es ist still

der wind

zerkratzt das neue leichentuch

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