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Sandkistenfirmen. Und Postkastenliebe.

von Gerhard Benigni

Ein leeres Blatt. Vor mir. Die große Liebe. Hinter mir. Aus. Und vorbei. Schreiben wollte ich dir. Doch die

Worte. Sie fehlen. Wie du.

Dabei. Schon im Sandkasten. Damals. Als sie noch darin spielten. Die Kinder. Heute. Meist vollgeschissen.

Von Hunden. Deren Besitzer. Ein Haufen. Ein Haufen Idioten. Jedenfalls damals. Im Sandkasten. Wir

Kinder. Du und ich. Sandkastenliebe. Kuchen backen. Keine Doktorspiele. Kein Sand im Getriebe.

Schaufeln statt anbaggern. Manchmal einbuddeln. Den Sand in den Kopf stecken. Schöne unbeschwerte

Kindheit. Weißt du es noch? Oh du, meine Sandrina.

Dann Volksschule. Gleicher Weg. Zur Schule. Hand in Hand. Selbe Bank. Nebeneinander. Wir zwei.

Füreinander bestimmt. Wenn ich es gewusst hätte. Damals schon. Dass du mich abschreiben wirst. Wie

gestern. Deine Noten wären andere gewesen. Alles Schwindel. Lug und Trug. Mathematik. Du hast sie

gehasst. Wie ich dich jetzt. Hab’ nicht damit gerechnet. Herr A. Wird verlassen. Von Frau B. Herr A muss

gehen. Frau B behält das Auto. Berechnen Sie die Entfernung. Zwischen den beiden. Das Ziel ist das Weg.

Dann. In der vierten Klasse. Fettina haben dich alle genannt. Nur ich. Ich nicht. Ich hab’ mich vor dich

gestellt. Trotzdem. Sie haben dich gesehen. Immer noch. Fettina. Fettina. Fettina. Pausenlos. Nein. Kein

Mobbing. Spotten hieß das. Damals. Dem Spott anderer ausgesetzt. Wegen Rothaarigkeit. Wegen

Sommersprösslingen. Wegen abstehender Ohren. Wegen Zahnspangen. Oder wegen Bummelzügen.

Nicht ÖBB. Die deinen. Ja. Sie waren pummelig. Nicht nur deine Gesichtszüge. Deine gesamte Silhouette.

Pummelig. Bettina. Die Mächtige. Mächtig pummelig.

Später dann. In der Hauptschule. Immer noch. Immer noch verliebt. In dich. In deinen spätpubertären

Babyspeck. Wie wir in bildnerischer Erziehung gelernt haben. Eine frühzeitige Rubens‐Dame. Deine

allgegenwärtigen Rundungen. Ich war verschossen in sie. Total verschossen. Und deine weiche Haut.

Blind vor Liebe. Heute weiß ich. Das Weiche. Es war nicht die Haut. Es war das darunter. Deine

Speckröllchen. Im Winter. Ummantelt. Im Sommer. Offen zur Schau getragen. Bauchfreie Shirts.

Untergürtelte Nabelschau. Oft auch Leggings. Hauteng. Kalter Schauer. Über meinen Rücken. Wenn ich

jetzt daran denke. Mein damaliger Augenarzt. Längst in Pension. Nicht mehr belangbar.

Warst du nicht da. Nicht bei mir. Ich hab’ dir geschrieben. Keine E‐Mail. Einen Brief. Frankiert. Mit Marke.

Hab’ mich gestürzt. In Unkosten. Für dich. Sandkistenfirmen. Und Postkartenliebe. Mein ganzes

Taschengeld. Investiert. In dich. In uns. Dann Firmunterricht. Auch so eine Sache. Wozu einen Postkasten

firmen? Ich bin es doch auch nicht. Dachte ich. Doch wieder. Gemeinsame Bank. Diesmal Kirchenbank.

Heiligen Geist. Kannte ich schon. Allerdings nur vom Schulausflug. Nach Bad Bleiberg.

Herzmansky. Von Geburt an. Mein Name. Hermann. Von Taufe an. Mein Name. Davor. Hermann

Herzmansky. Herrlich. Harmonisch. Herr Hermann Herzmansky. Schuhmann. Von Geburt an. Dein Name.

Bettina. Davor. Bettina Schuhmann. Wie unweiblich. Frau Schuhmann. Herr Frauenschuh. Wie jetzt?

Absolut genderunkonform. Nach der Hochzeit. Bettina Herzmansky. Wenigstens eines weniger. Ein n.

Und als Assistentin beim Kardiologen. Echt passend. Der neue Name. Für meine Herzensdame.

Herr und Frau Herzmansky. Der Fleischhauer. Und die Kardiologenassistentin. Fleischhauer. Im

Großbetrieb. Schlachten. Zerteilen. Innereien. Schweinereien. Kein Herz für Tiere. Kein Job. Für

Vegetarier. Bin ich auch nicht. War ich nie. Werde ich nie werden. Hingegen. Die Fleischeslust. Auf dich.

In den Flitterwochen. Virgin Islands. Da wurde sie dir geraubt. Deine Kamera. Aber zurück. Zur

Fleischeslust. Die war extrem. Konnte sie nicht lassen. Meine Finger. Von dir. Und jetzt. Weg. Weg von

dir. Unsere Ehe. Kinderlos. Und gescheitert. Dumme Kuh. Denke ich. Und zerteile sie. Die nächste

Rinderhälfte.

Da scheiden sie sich. Die Geister. Und wir uns. Körperliche Trennung. Auseinandergeliebt. Kein

Rosenkrieg. Vielmehr Dornenkrieg. Gehören jetzt dir. Die Wohnung. Das Auto. Das Online‐Sparkonto.

Gehören jetzt mir. Das Multifunktions‐Home‐Fitnesscenter. Das Ergometer. Seit Jahren mein

Kleiderständer. Und der digitale Blutdruckmesser. Sehr wertvoll. Brauche ich. Regelmäßige

Tobsuchtsanfälle. Immer wieder. Wegen dir. Dumme Kuh. Ich weiß. Ich wiederhole mich. Du dumme

Kuh. Aber dich. Dich werde ich nicht wieder holen.

Es singt sich so leicht. Von den zwei dickbärtigen Männern. Herzilein. Du musst nicht traurig sein.

Schunkelschnulze. Mir ist nicht. Schon gar nicht zum Schunkeln. Valossn. Valossn. Das ist es. Das wirkt

stimmungsaufdunkelnd. Kein großraumresonanzverkörperter Happy‐Sound. Kein geplaybacktes

Dauergrinsen. Selbst Herzprobleme. Aber auf fidel machen. Scheinwelt. Volksverdoofung. Herz ist

Trumpf. Weusd a Herz host. Wia a Bergwerk. Mitten ins Herz. Kein einziges Lied. Nicht eines. Über die

Gallenblase. Immer diese Fixiertheit. Ein Armutszeugnis. Mein Herz tanzt. Allerdings aus dem Takt. Völlig

aus dem Takt. Echte Herzrhythmusstörungen. Schmerzherz. Herzzeitlose. Die heart.

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