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Ödipus tritt ab

von Edgar Haettich

Ödipus tritt ab

Hat auch mich die Mutter vom Vater weggeliebt,

oder war er ´s, der gefühlskärglich  mich ihr in die Arme getrieben?

Wäre noch analytisch zu klären, – aber mit jedem Lebenstage

bröckelt die Bedeutung  aller Deutungen:

Psychologisches erblasst vor dem helleren Zuruf:

sieh zu, was dir bleibt!

Nicht Tod, nicht Sterben, nicht Jenseits sind deine Themen,

Jeder Tag

ist verbleibende Lebenszeit.

Fülle den Tag, denn die Fülle der Tage ist dein,

zwischen Geburt und Todesstunde deine Lebenstage,

jeder ein Lebenstag,

auch der letzte.

 

Gebet um Hoffnung auf einen gerechten Krieg

Wehr-Macht,  so ein Heer muss sein,

denn der nächste Krieg hat bestimmt einen Sinn,

allerdings die bisher überlebten

hatten keinen.

Sollen wir deshalb die Hoffnung aufgeben

auf einen gerechten Krieg,

die Flinten ins Korn werfen,

solange es noch echtes Korn gibt?

Ein echter Feind wird sich schließlich finden,

sollten wir auch damit wieder Pech haben, wie bisher:

Nicht Verzweifeln,

auf einen sinnvollen Krieg warten!

Amen!

Blicke

Die tiefsten Blicke tauschst du mit der Fremden,

im nie Zuvor, im niemals Wieder,

vielleicht am Bahnsteig im Vorübergehn,

vielleicht an Gasthoftischen sommerlicher Mittagsstunde,

leicht hergeweht , leicht wieder weggefegt,

ach wie geschwind doch alles schwindet,

Zeitlose sind wir stets zur rechten Zeit,

Ortsfremde stets am rechten Ort.

Wie Klang verklingt doch alles,

wenn es aufscheint.

 

Herbst

Ein Eisen noch im Feuer

vergeblich züngelnde letzte Ranke

schlangenartig drängelnde Lichtlust

Stille im schwadenden Rauch

des Tagmondes steinerner Blick

Kastanienrollen im Ewigkeitstunnel

nicht alles ist wert genug zu vergehen

zum Bleiben verflucht ist manches

du wünschest  Inneres wegzuräumen

der Herbst versagt es deiner Seele

warte auf Schnee

 

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