Ohne Titel

von David Poelzl

Die Mittelschule begann sich als ungeliebtes Geschenk auszubreiten, ich packte es nicht gänzlich aus, wie gewöhnlich, Sorgen und Terror verhindern die Sicht, ich konnte nur jagen, in einem Wald voll der aufgeblähten, auf allem lastenden Sonnendunkelheit, nur schießen, was sich direkt vor mir ausbreitete. Da war zum einen die Musik, Papas Plattenspieler, das Knistern der Nadel, aufgesetzt auf der Scheibe, die die Erde bedeutete, das Fleckchen Erde, auf dem ich Gast war, niemals mehr, ich, Sohn unbedeutender Eltern, tragische Menschen, vorbeigerast an ihren eigentlichen Lebensträumen, die Mutter gegossen in Bitternis, Papa eher melancholisch, hat auch nicht allzu viel erwartet, doch wer weiß, ich jedenfalls nichts, unfähig zur so genannten Menscheneinschätzung, es bleibt ja ohnehin beim Schätzen, wie weit sind Sie gestürzt, 3-4 Meter, was?, das gibt es ja nicht, vielleicht war es nur ein Meter, der Fall ist ein ewiger. Ja, die Musik. Ich saugte alles auf wie ein Schwamm. Beatles, Stones, Kinks, Safka, Peter, Paul and Mary, Deep Purple, Miles Davis, Friedrich Gulda, Tatum, Glenn Gould, Baez, Comedian Harmonists, Schubert, Bach, Armstrong, Fitzgerald, Chopin, alles wurde auf und abgespielt, unzählige Male, dafür kann ich heute viele der Pophadern nicht mehr hören, Yesterday rührt mich nicht mehr, Smoke on The Water nur noch für Dummies, Days, ja sie sind endgültig vergangen, nur die Rock’n’Roll Fantasy lebt noch, makes you feel alright, ja, ehrlich kitschig, aus mit Lennon, dem Nowhere Man. Die Intensität des Musikergusses ist mir verloren gegangen, Traum als Leben, nicht mit der Musik das Leben bestreiten, sondern es als Musik erleben, am Millstättersee sitzen, den unkompakten, doch alles erleichternden Discman am Schoss, erstrahlend die Sonne, das Ufer, die Vögel, das Zischen ausgelassener, hyperaktiver Kinderbrutalitäten, Anton Tschechows Kurzgeschichten mit fassungslosen Nüstern aufsaugend, die Angst als Realität, gespiegelt in den bahnbrechenden Tönen eines Ozeans, am Kamm geschert und ins atomare Bewusstsein genäselt, doch auch tränenarme, tonlose Sommer, in Lauschangriffen die Luft erstickend, den Himmel überwölbend, die Wolken ins Unsichtbare eines wartenden Bewusstseins schiebend, ein Onkel entriss dem Plattenspieler die Nadel, ein greises Kind zog an der Tanne, doch die Nadeln waren unverwundbar, ließen keinen Lärm zu, Stille, aber Fernsehen, Fernsehen macht einsam, denkt das Kind, Altes aus der Neuen Welt, einsam bist der du nicht bist, geliebte Komalandschaft, schlüpf in mein Kreislaufgefäß, entfalte den Plot des Nirwanas, gebumst wird immer, doch nur in Träumen ist es wahr, Stöße liegen schwer in den Augenrändern, doch Bewegungen, Zeitlupen, spielend, Rückblenden als geliebte Bewusstseinsschwankungen, Traumarbeit an Sandmännchens Fließband, vergessen das Ich, gelogen alleZeit und niemand kennt mich, muss nichts tragen, nur schweben, lege die Wolfshaut ab, trinke blaue Milch aus dem Tintenfass immer frischer Regungen selbstverständlichen Gehalts, ach, wie gut, dass niemand weiß, Oma krächzt ihr falsches Weinen und Kathi segelt mich arschfingernd ins Schmerzlose, die Wunde nicht zu fühlen, heißt das Leben oder Tod?, was ist dazwischen, ein Stein im Arsch an Sonntagskirchgängen, ich hasse das Mittelmaß, doch liebt es mich, ein alter Vagabund hämmert mir Fisolen in den Geruchsinn, will nicht schmecken, fühlen, will nicht leben, sondern SEIN ohne zu LEBEN, ein Geist?, ja, aber geistes- und geisterlos, eine Traumfigur hat dich gepinselt, entlang der ÖBB-Timer-Schienen, du denkst an das Schöne im Traum, doch es ist dein Alptraum, eine Mutter, die dir das Haar schneidet, welcome to hell bitch, a man with his wife fight over dignity, niemand hat dich weinen sehen, es sind deine Träume, die dir den Schweiß in die kastrierte Wimpernsäcketusche rülpst, riech an meinem Arsch, wenn du mein Leben fühlen willst, doch Kathi, lass doch endlich den Finger weg, nein, auch kein Kuss von Arschgesicht zu Arschgesicht, Freiheit schmeckt nicht, sie berührt nicht, sie streicht entlang deiner Fußsohlen, ist unauffindbar in Bewegung, selbst wenn du im Stillstand steckst, überwinde die Zeit und du bist frei, Times have changed, Times maybe but not me, Mexico ist ein guter Ort, um frei zu sein, ja, vielleicht, wenn man der Mann dafür ist, doch du bist gefesselt an den Ort des Geschehens, die Tragweite deiner sozialen Prägung katapultiert Gedanken und Bewusstseinsortwechsel in den Drang nach Pflicht und Gewissen, und so bleibst du stets dort, was man soziales Gewissen nennt und glaubst, du kämpfst dem Freiheitslicht entgegen, die wahre Ignoranz deines SEINS nennt sich Gewissen und wild um sich schlagend narkotisiert es dir Narben ins wahre Gewissen, doch nicht einmal ein Outlaw ist frei, freedom’s just another word for nothing left to lose, stets bröckelt das Verlustgeröll die Magensäure aufwärts, und so kämpft man, der Freiheitwillen, ohne Ziel und Gold, vieles glänzt, wenig strahlt.

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