Texte

von Johannes Golznig

Die Ballade vom tanzenden Fisch

Ich habe die Fische rauchen gesehen

und tanzen gereizt vom Alkohol

mit Flossen verwelkt und lustig

Ich habe die Fische grölen gehört

und schnäuzen aus öligen Kiemen

mit Fetzen aus starrer Chemie

Ich habe die Fische tanzen gesehen

und betteln und  flehen im Rausche

mit zitternden Gräten zur Band

Spült auf die Tränen vom Persischen Golf

spielt auf die Raspa von Mexiko

im Tanzsaal der sterbenden Meer

Atlantischer Taufschein

Der Eisberg hat kränkelnde Kinder geboren

Hat rußige Tränen der Technik gekalbt

Neptun hat den Taufschein

Mit dem Blute der Robben

Am Rücken verendender Wale geschrieben

Der Eisberg hat kränkelnde Kinder entlassen

Ins Wasser verrotteter Leichen gespült

Börsen und Banker haben gejubelt

Die Kurse sind hoch das Chaos perfekt

Und die Kinder am dreckigen Eisberg verreckt

Ein Fisch ward geboren

Wolken haben das Meer geküsst

vor Wollust im Wasser geweint

ein Schauspiel war es im Freudenwahn

tausend Meilen im Ozean

Schwärme schwammen zum Wasser hin

sie putzten den Tod aus den Kiemen

Fliegende Fische eilten heran

Tausend Meilen im Ozean

Schiffe wurden im Kurs gestoppt

gehorchten dem Schrei der Delphine

das Wasser warf Leben zur Insel heran

tausend Meilen im Ozean

Die Zeiten mit ihren Leuten

„Die Leute sagen immer,

die Zeiten werden schlimmer;

die Zeiten bleiben immer,

nur die Leute werden schlimmer“

(alte bäuerliche Sprichworttafel)

Nun, so einfach kann es mit der Zeit und ihren Leuten oder den Leuten mit ihrer Zeit sein.

Das „Gott erhalte“ zerbirst in den Zehnerjahren des 20. Jahrhundert mit dem Trommelfell der monarchischen Sänger im Lärm der Haubitzen.

Das „Gott beschütze“ ertrinkt im Blut zerflossener Eide, dem ein „Sei gesegnet ohne Ende“ folgt, das im Labyrinth traumhafter Lügen erstickt.

Die Leute der Zwanzigerjahre freuen sich, tanzende Kochlöffel im Braukessel einer politischen Vorhölle sein zu dürfen.

In den Dreißigerjahren gilt für den Christenmenschen in unserem Lande das „mea maxima culpa“.

In den Vierzigerjahren ruft der ostmärkische Mensch ein kräftiges „Jawoll“.

In den Fünfzigerjahren sind für jeden Österreicher die Worte „Österreich ist frei“ ein Hymnus.

In den Sechzigerjahren singen die alpenländischen Leute alemannisch „Schaffe, schaffe, Häusle baue“.

Die Siebzigerjahre hören friedlich den Gassenschlager „Du bist die Rose vom Wörthersee“, während in den Achtzigerjahren die Reinheit der Auen und die Gleichheit der Frauen harmonische Österreicher erschaffen, die am gemeinsamen Weg mit dem Klerus in den

Neunzigerjahren endlich das Ziel lustbaren Lebens erreichen.

Das dritte Jahrtausend nach Christi Geburt darf mit dem Vorsatz beginnen, die Zehn Gebote Gottes in die Menschenwürde zu ackern.

……und die Poeten?

Sie putzen den Schmutz von den Fenstern der Welt.

Heimat

Du bist ein ungeliebtes Kind

im Korbe ausgesetzt

vom Spott verirrter Kunstgestalten

in den uferlosen Strom geschickt

der keine Mündung

je zur Hoffnung hat

Mir bleibst Du Heimat immerdar

im warmen Haus auch dann

wenn Pyromanen Dich verheizen

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