Lyrikauswahl

von Herbert Flattner

Des Goldenen Kalbes Ende

Noch weidet auf Erden das Goldene Kalb!
Gold natürlich auf goldener Alp!
Gold natürlich aus goldenem Meer –
in goldenen Landen auch, weit um uns her!

Es weidet und weidet, säuft Blut auch und Tränen –
und meint, dies macht frei!

Doch glosende Glut rings will all das verbrennen,
verhallen im Äon als röchelnder Schrei!

Und nur in Verliesen bleibt dies noch vertraulich:
Todkrank längst das Kalb – weil Gold unverdaulich!

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„Whau!“

„Whau!“, so lobte unlängst einer seine Frau,
„echt cool heut’ dein Braten! Wirklich! Whau!“

Und weil dies Lob so sehr erbaute,
war klar, dass sie drauf gleichfalls „whaute“!

Der Hund unterm Tisch, ein braver Dackel
und ausgesprochen lieber Lackel,

dachte bei sich: „O welch Verstellen!
Jetzt fangen sie schon an zu bellen!“

Gab sich jedoch drauf Garantie:
„Mit Schwänzen wedeln lernen’s nie!“

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Floskel gesucht!

Ich suche eine Floskel, Leut’! –
Ein „Freund“, ein Denunziant,
begrüßte mich so süßlich heut,
als wär’ ich ihm verwandt!

Er hat ein Ohr am Sitz der Macht,
in das er schmeichelnd lügt,
ansonsten aber gibt er Acht,
dass man sich speichelnd fügt!

Ich suche eine Floskel, Leut’,
die wirkt und doch nichts sagt,
die meinetwegen Rosen streut,
sobald er sich beklagt!

Ich suche eine Floskel, Leut’! –
O wär’ ich Diplomat! –
Ein solcher, der sein Wort nie scheut,
weil’s keine Böden hat!

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Wölfisches

Gar manchem, der in seinem Leben,
nicht mitheult in der Wölfe Chor,
möcht’ mancher gern die Ehre geben –
stünd’ da nicht – groß – ein Wolf davor!

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Persönliches (1)

Wie dank’ ich’s nur den Ignoranten,
all jenen, die vor Missgunst brannten? –
Gar vieles hätt’ ich nie geschrieben,
wär’n sie nicht zeitlos mies geblieben!

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