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Du bist einzigartig / Eisberge

von Hans Mueller

„Du bist einzigartig.“

Traum: Da kommt ein Sohn zu seinem Vater von der Schule heim und knallt ihm ein Thema für einen Aufsatz auf den Tisch; er sei daheim mit den „Erzeugern“ vorzubereiten. „Du bist einzigartig!“, läuft der Vater rot an und wünscht den sich ich wohl in Wahnsinn vergaloppierenden Lehrer zum Mond – oder noch besser zum Teufel.

Wo doch die Leibesfrucht eines Betriebsunfalls einer leidigen Drüsengeschichte alles eher als „geraten“ typisiert werden kann. Auf allen geographischen Breiten spielen sich solche Definitionen ab.

Der „thematisierte“ oder besser gesagt zierende Sohn des „irren Jonathans“ heißt Jonas. In Grönland befindet sich das Reservat der schönsten Namen der Heiligen aus dem Alten Testament. Da hat die leidige „Kevin und Barbiemanie“ die Landschaft der Namensgebung noch nicht verseucht. Eigentlich müsste der irre Jonathan zu toben anfangen, aber dann ist er zu verunsichert. Es fehlt der nötige Druck, dass der Deckel zum Abheben beflügelt werden kann. Der Jonas steht vor ihm, eine grüne Rotzglocke baumelt aus dem linken Nasenloch, die Ohren wie zwei Parabolantennen auf Empfang gestellt, der Bürstenhaarschnitt ein strapazierter Fußabstreifer, und die Augen blau wie der seidene Himmel. Also, Eskimo sind eher braunäugig, hat der Jonathan einmal gehört, aber darüber sich nie Gedanken gemacht. „Was soll ich“, steigt der von oben betrachtete Jonas im Bau der Verlegenheit – hin und her – schreiben“?

„Na ja“, meint der Vater, so genau habe ich dich gar noch nicht betrachtet. Die Beine scheinen mir etwas zu kurz geraten, ist das nicht so?“ Da springt der Jonas aus dem Bauch des Meerestempels:  „Frag den Lars, von Amarngivat, der hat mich heute gelobt, weil ich am besten Schi fahren gelernt habe.“

Schi fahren, das ist ein einziger Unfug, wenn der Nanuk hinter dir her ist!“

„Der läuft geradeaus ins Leere, wenn ich zickzack fahre!“, klärt ihn das vive Bürschlein auf. „Aber was ist mit der Schule?“, versucht der Vater am Plattgold der Einzigartigkeit zu kratzen. „Man erzählt, die habest du immer nur von außen betrachtet“, weicht Jonas vorsichtshalber zwei Schritte zurück.

Aber weil der Vater ausnahmsweise eine „trockene“ Phase hat, ist sein Jähzorn ein sanfter Schlittenhund. „Schule, davon wird niemand satt, aber angespeist“, wischt Jonathan alle Weisheit vom Tisch. „Es ist nicht immer leicht mit dir“, fasst Jonas all seinen Mut zusammen, um seinem Herzen Freiraum zu verschaffen, aber ich habe dich gern…“

Da schaut der borstige Jonathan wie ein Kalb vor dem Jupiter und resümiert! „Gern haben… was ist das?“

Da fällt ihm der Bub um den Hals und herzt ihn ab, dass die „Rotzgloggn“ eine Schleifspur über die unrasierten Wangen zieht… So als wäre eine Weinbergschnecke auf Brautschau gewesen. „Du bist wirklich … einzigartig!“, schüttelt der irre Jonathan den Kopf, warum habe ich das nur so lange nicht begriffen?“

„Du hast nur fünf Minuten dazu gebraucht“, lacht Jonas, „wenn ich das dem Lehrer erzähle, wird er sagen:

„Das ist Weltrekord!“

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Eisberge

Ausgesetzt um

auf einem von ihnen

zu sterben

hätte die Sonne

plötzlich viele Namen.

Eisberge

Während

sie schliefen,

kam Gott zu Besuch

und hinterließ

als Visitenkarte

sein Lächeln…

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