Ein Essay

von Johanna König

Hinter dem Schlagwort Gleichstellung der Geschlechter, darbt die Freiheit im Kerker des jungen Jahrtausends.

Seit Virginia Woolf sich für die schreibende, arbeitende Frau zu engagieren begann, sind am Fluss der Literatur-Geschichte tragische Frauenfiguren gestrandet. Virginia Woolf selbst stellt gemeinsam mit Unica Zürn herausragende Beispiele dar. Die feministische Literaturkritik weiß durchaus variationsreiche Geschichten darüber zu erzählen. Im Falle dieser beider Frauen, die sich von ihrer Kunst besessen zeigten, mischte sich in ihre Obsession ein tödlicher Zug. Mit dem Sturz aus dem Fenster (Unica Zürn), mit Steinen in den Manteltaschen in einen Fluss gestiegen (Virginia Woolf), stahlen sich diese Frauen aus ihrer Kunst, der Literatur, davon. Soweit ging Vereinsamung und Verleugnung des weiblichen ICH.

Nicht jede Frau entledigt sich ihres verzweifelten Lebens, dass sie überfordert, aber wie der normale Lebensalltag von Frauen heute tatsächlich aussieht, darüber können Statistiken und zielgerichtete Forschungsarbeiten, nur ungenügend Auskunft geben. Zwar wird bewiesen, dass Frauen (Beispiel Mehrfachbelastungen: Eines der Hauptprobleme berufstätiger Frauen ist noch immer, dass viele Frauen Beruf und Familie nicht unter einen Hut bekommen. Der Wiedereinstieg ins Berufsleben nach der Karenz scheitert oft an fehlenden Kinderbetreuungseinrichtungen.) wertvolle Dienste an der Gesellschaft leisten, die Würdigung und Anerkennung verdienen. An der Umsetzung, diese Verdienste tatsächlich zu würdigen und anzuerkennen, mangelt es hingegen beträchtlich.

Längst ist der radikale Feminismus überholt vom sanfteren Postfeminismus. In ihm finden Karrierefrauen wesentlich mehr Identifikations- Berührungspunkte. Hinter Gepflogenheiten der Spaßgesellschaft, Freizeitstress, Flugkilometerbonusmeilen und zielgerichteten Karriereschritten, steckt die ersehnte Freiheit beider Geschlechter im Kerker – zu Beginn des neuen Jahrtausends.

Wenn auch gelobt wird, dass Männer und Frauen gleichgestellt sind, Analysen der Arbeitsverwaltungen im europäischen Raum (Quelle: Statistische Erhebungen des Eurostat – Statistisches Amt der Europäischen Gemeinschaften – European Statistical Data Support, 2005), sprechen in deutlichen Zahlen dagegen. So ergibt der durchschnittliche Jahresverdienst in den EU25 erhebliche Unterschiede. Der jährliche Durchschnittsverdienst von Frauen entsprach in den EU25 rund dreiviertel des Durchschnittsverdiensts von Männern in der gleichen Position (21. 400 Euro gegenüber 29. 900 Euro).

Das differenzierte Bild über die Situation von Frauen und Männern im EU- Vergleich spiegelt die zuletzt 2002 erschienene Publikation Geschlechtsspezifische Disparitäten des Bundesministeriums für Soziale Sicherheit und Generationen, Wien. Oftmals sind Frauen in den einzelnen Wirtschaftszweigen unterschiedlich stark repräsentiert und üben unterschiedliche Tätigkeiten aus. Berufstätige Frauen sind tendenziell jünger als ihre männlichen Kollegen, haben daher eine kürzere Betriebszugehörigkeit und sind folglich bei der Vergabe von Managementpositionen oft in einer ungünstigeren Ausgangssituation. Dies wiederum impliziert, dass Unterschiede bei den Durchschnittsverdiensten von Frauen und Männern nicht notwendigerweise darauf schließen lassen, dass Frauen und Männer mit vergleichbaren Beschäftigungsmerkmalen unterschiedlich bezahlt werden.

Die politische Strategie zur Erreichung der Gleichstellung von Frauen und Männern, die von vornherein die unterschiedlichen Lebensbedingungen und Chancen berücksichtigt, ist mit Gender Mainstreaming benannt. Geschlechterbezogene Sichtweisen in allen politischen Vorhaben in Sozial-, Wirtschafts-, und Bildungspolitik benötigen nach dem Geschlecht aufgeschlüsselte Daten. Der Gendermainstream belegt, dass Frauen ihre persönliche Freiheit nicht leben können, ja oft nicht einmal kennen.

Die Vorgaben der Gesellschaft, Kindererziehung, Haushaltsführung und den Job wie nebenbei zu erledigen, werden ohne effiziente Gegenströmung ihrer Geschlechtsgenossinnen angenommen und erfüllt. Frauen lernen diese Verhaltensweisen und Muster von Kindes- Mädchenbeinen an und schaffen es selten, aus dieser Spur heraus zu treten. Für diese Frauen bleibt die Freiheit der Umsetzung ihrer persönlichen Träume und Wünsche in sphärischen Höhen gelegen, schier unerreichbar.

Die Freiheit der Frau. Die Befreiung der Frau von sich und ihrem persönlichen Manko des NichtMannSeins.

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